The Lost Vikings Tour – Norwegen 2016 – Teil 1

Endlich, Anfang Juli 2016, ist es wieder soweit: Ich treffe mich mit meinen Kumpels Alex, Eggi und Lutz zu einer weiteren Norwegen-Tour. Bereits voriges Jahr waren wir – leider ohne Lutz – dort unterwegs, dieses Jahr stehen einige neue Routen und Ziele auf dem Plan. Überhaupt: Der Plan….

Es ist wirklich nicht einfach, alle Wünsche und Präferenzen unter einen Hut zu bringen: Eggi hat leider weniger Zeit als wir anderen und möchte unbedingt nochmal den Per-Gynt-Vegen fahren, Lutz möchte gerne zum Atlanterhavsvegen (Atlantikstrasse), ich würde gerne die eine oder andere Tageswanderung einschieben und nicht nur drei Wochen lang auf dem Bock sitzen und Alex… Der ist wirklich pflegeleicht, der macht einfach alles mit. Ich kann ihn vielleicht sogar zum Zufußgehen erwärmen! 🙂

Stockholm – Oslo

Nach wochenlangem Basteln am PC in Basecamp, Landkartenstudium, Diskussionen über Routeneinteilung und Treffpunkt ist es dann am 2. Juli so weit: ich rolle mit der KTM 1050 Richtung Oslo. Warum diesmal nicht die CCM? Die hat leider einen neuen Tank gebraucht und springt jetzt nicht mehr an – keine Zeit mich noch vor dem Urlaub darum zu kümmern. Außerdem kann ich mit der KTM schneller die lange Strecke durch Schweden abarbeiten. Und da wir sowieso keine Offroadstrecken wie bei der geführten „Till Tops“ Tour voriges Jahr fahren werden, funktioniert die KTM sicher für diesen Urlaub genauso gut!

Ab Spätnachmittag bin ich dann nach über 500 km – davon lange Strecken im Regen – endlich in der norwegischen Hauptstadt. Ich schlage das Zelt auf dem Campingplatz Eckeberg auf. Den kenne ich noch von meiner Norwegen-Radtour 1995! Damals hab ich noch geflucht, weil er oben auf dem Berg liegt, aber ein Motorrad hat da klare Vorteile. Da es erst Spätnachmittag ist, fahre ich noch eine Besichtigungsrunde durch die Stadt und hinauf zu den Ski(sprung)anlagen am Holmenkollen.

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Oslo – Rujkan

Am nächsten Tag gehts weiter, heute Abend möchte ich ja die Jungs treffen. Der Osten Norwegens ist zunächst noch sanft hügelig, aber am Horizont zeichnen sich schon die ersten richtigen Berge ab. Ich bin am frühen Nachmittag in Rjukan, wo wir uns auf einem Campingplatz treffen wollen, den wir schon vom vorigen Jahr kennen. Da die anderen noch ein gutes Stück hinter mir liegen, beschließe ich heute noch auf den Gausattoppen zu wandern. Das ist mit Abstand der höchste Berg hier in der Gegend und die Aussicht ist dementsprechend phänomenal. Leider mögen das auch viele andere Wanderer, hier darf man nicht erwarten, alleine zu sein. Aber es lohnt sich trotzdem!

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Während des zweieinhalbstündigen Aufstiegs hab ich eigentlich immer die Straße unten im Tal im Blick: Hier sollten eigentlich jetzt drei Motorräder vorbei ziehen. Oder fahren die Jungs doch ’ne andere Route? Als ich dann am frühen Abend zurück auf dem Campingplatz bin, sind jedenfalls alle da und wir freuen uns alle tierisch auf die bevorstehenden gemeinsamen Wochen in Norwegen!

Mit Kai-Uwe, Eggi, Lutz, Dennis und Wille
Photo: Alex

Rjukan – Forset

Gleich mehrere spektakuläre Fjällüberquerungen auf großer Höhe stehen heute an. Von Rjukan aus geht’s zunächst an der Westseite des Tinnsjö entlang, dann das Tessungdalen hinauf und schließlich bis auf über 1200 m, um dann wieder steil abwärts in Uvdalen anzukommen. Allerdings fahren wir dort nicht auf der gut ausgebauten Strasse 40, sondern ich versuche immer kleine parallele Straßen zu finden, in den größeren Tälern ist das kein Problem.

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Per-Gynt-Vegen, Sognefjellsvegen

Bis jetzt hatten wir ja wirklich Glück mit dem Wetter. Aber jetzt, wo die ersten Highlights kommen sollen, schlägt leider auch das Wetter um. Als wir am Beginn der wunderbaren Höhenstraße Per-Gynt-Vegen sind, schüttet es morgens. Wir warten deshalb in Skej in einem Unterstand zunächst noch ab, denn keiner von uns hat Lust, diese herrliche Strecke ohne Aussicht zu fahren. Zunächst sieht es noch so aus, als würde der Regen genau in unsere Richtung ziehen. Irgendwann müssen wir dann losfahren. Aber wir haben Glück: Nach ein Paar Kilometern kommt tatsächlich die Sonne raus!

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kuo-160705-133 Am nördlichen Ende des Per-Gynt-Vegens sind mir noch einige nette Wege in Erinnerung, die ich voriges Jahr mit Guide Elving Solli bei der legendären „Till Tops“ Tour fahren konnte. Da geht’s jetzt erst mal steil hinunter nach Sylte, dann auf der andern Talseite wieder genauso steil hinauf, um zur Strasse 257 zu kommen.

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Im norwegischen Fernsehen gab es mal eine mehrteilige Dokumentarreihe mit Namen „Der ingen skulle tro at nokon kunne bo“ – Keiner könnte glauben, dass hier jemand wohnt. Der Hof hier wäre wohl auch ein Kandidat für solch ein abgelegenes Plätzchen!
kuo-160705-143 Jetzt kommt ein weiteres Highlight norwegischer Straßen: Der Jotunheimsvegen. Viele ähnliche Schotterstraßen kenne ich bereits, aber bei dieser Tour werden wir es schaffen, alle mir noch unbekannten Straßen zu befahren. Und wie nett: Für uns Motorradfahrer wird hier noch nicht mal Maut verlangt! Die spektakulären Aussichten hoch oben im baumlosen Fjäll gibt’s also völlig umsonst!
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Irgendwo auf halber Strecke schaffe ich es, das sowieso schon arg verdreckte Motorrad so richtig einzusauen: wieso ist da ein Kuhfladen mitten im Weg? Die anderen wundern sich erst, als ich am nächsten Bach anhalte und mit den Stiefeln hineinsteige, aber wer den Schaden hat… Und die KTM sieht jetzt echt ziemlich besch… aus, unglaublich wie schnell dieser Mist antrocknet!

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Unser Ziel ist der Campingplatz Maurvangen direkt am Ostrand des gewaltigen Gebirgsmassivs Sognefjell. Am nächsten Tag möchte ich gerne die vielleicht spektakulärste Tageswanderung ganz Norwegens angehen, die Wanderung über den Beseggengrat. Leider spielt das Wetter nicht wirklich mit. Die Aussichten sind am Morgen so trübe daß ich es mir anders überlege. Stattdessen gehen Alex, Lutz und ich los zu einer kürzeren Aussichtswanderung auf einen nahe gelegenen Berg. Aber auch die lohnt sich!

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kuo-160706-229-2 Lutz hat ja ein wenig geschwächelt, was ich durchaus verstehe, denn der Aufstieg beinhaltet auch eine kurze Kletterstelle – und wenn man keine Erfahrung mit Bergwanderungen hat, ist es besser umzudrehen, solange es noch problemlos geht. Das ist die richtige Entscheidung!

Oben in den Bergen liegt jetzt noch immer viel Schnee und dementsprechend ist der Wasserstand der Gebirgsflüsse.

kuo-160706-242-2 Als ich mir Abends noch ein Bierchen holen möchte, werde ich von dem etwas kauzigen Campingplatzbesitzer ruppig darauf hingewiesen, daß jetzt um diese Zeit kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Ok, dann halt ’ne Limo. Komische Gesetze haben die hier!

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Am nächsten Tag zeigt ein braunes Schild nach rechts zu einer Sehenswürdigkeit: Ridderspranget steht da. Na gut, kenn ich zwar nicht, schauen wir uns das mal an! Und da haben wir dann alle ein „Whow-Erlebnis“: Der Fluss Sjoa hat sich hier tief in die Felsen eingefräst. Der Sage nach soll hier ein tollkühner Ritter namens Sigvat Knie mit seinem Mädel auf dem Arm hinübergesprungen sein. Der Schwiegervater war wohl hinter ihm her, der wollte seine Tochter nicht hergeben.

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Wie immer ist die erste Regel meiner Routenplanung, größere Fernstraßen zu vermeiden. Stattdessen  fahren wir in diesen Wochen viele Hundert Kilometer bester Schotterstraßen. Für die KTM 1050 mit Continental TKC70 kein Problem.

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Hoch hinaus: Blåhö und Trontoppen

Zwei Bergbefahrungen stehen dieses Jahr auf meinem Wunschzettel: Blåhö (1617m) und Trontoppen (1660m). Die Blåhö hatte ich vor ein paar Jahren mal mit der KTM 990 befahren. Ich kann mich noch erinnern, dass der Weg damals ganz schön grob war auf dem letzten Stück. Deshalb laden wir an einer Tankstelle im Tal das Gepäck ab, um ganz leicht fahren zu können. Eggi, der nicht so für’s „Hoch hinaus“ zu haben ist, testet derweil das kulinarische Angebot des Tankstellenimbisses. Oder liegt’s vielleicht an der netten Bedienung? Alex, Lutz und ich prügeln die Bikes über die zunächst gut aufgebaute Straße aufwärts, die dann immer grobschottriger wird. Dass da überhaupt ’ne Straße hinauf geht, liegt an dem Sendemast auf dem Berggipfel – danke dafür!

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Dieses Jahr möchte ich wieder einen Versuch unternehmen, auf den Berg Trontoppen bis ganz nach oben hinauf zu fahren. Vor einigen Jahren scheiterte ich auf 1300 m, voriges Jahr sogar noch weiter unten, wegen immer noch nicht geräumter Wege. Ja, im Juli ist hier oben unter Umständen noch immer alles verschneit! Diesen Winter aber gab es offenbar ganz wenig Schnee. Und so ist der Weg bis oben für Alex und mich befahrbar. Hurra! Endlich! Was für eine Aussicht auf 1666 m!
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Grimsdalen, Einundalen und RV70

Ein wirkliches landschaftliches Highlight ist die Fahrt durchs Grimsdalen. Auf 2/3 der  Strecke sollte man eine Rast an der Sennerei Tollevshaugen einlegen (nordöstlich der Straße), denn die Hütten hier sind teilweise mehrere Hundert Jahre alt!

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In Sundal sitzen wir einen Regentag in einer Campinghütte aus. Ich zelte draußen vor der Hütte, die drei anderen Jungs teilen sich auf die Betten auf. Nach einer superaktiven Woche ist ein Ruhetag wirklich schön, vor allem können wir mal richtig gemeinsam kochen: Curryhühnchen und als Nachtisch Vanillejoghurt mit Bratapfel und Nutella! Hmmmm……!

Norwegen 2016
Foto: Alex
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Ganz wichtig für alle: Internetanschluss. Der wird am Regentag reichlich genutzt!

Abends klart es dann doch noch auf, deshalb nutzen Alex und ich die Chance, eine weiter Höhenstraße zu fahren, den Aurssjövegen. Diese Schotterstraße stand auf meiner Liste der absolut zu fahrenden Straßen, umso glücklicher bin ich jetzt, dass es ohne Regen geht!
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Tags darauf sind wir an der Küste: Der Atlanterhavsvegen war ein Ziel, das Lutz unbedingt unter die Räder nehmen wollte. Ein wirklich spektakuläres Stück Straße, aber aus meiner Sicht sind die 8 km über mehrere Brücken nicht unbedingt eine weite Anreise oder auch nur einen Umweg wert. Außerdem ist hier mal wieder Verkehrschaos angesagt, Dutzende Wohnmobile blockieren die Parkplätze und die beste Sicht auf die Straße hat man sowieso nur aus der Luft.

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kuo-160710-429-2 Leider ist für Eggi hier unsere gemeinsame Zeit zu Ende, er muß jetzt geradewegs Richtung Deutschland zurückfahren. Lutz, Alex und ich wollen nun in die Fjorde und wir entscheiden uns aufgrund des guten Wetters heute und der schlechteren Aussichten morgen auf jeden Fall heute noch über den Trollstiegen zu fahren!

Weiter gehts in Teil 2! http://nordicbiker.se/?page_id=699